Gastbeitrag von Angela Zimek
Origami, Kintsugi, Ikebana: Ein gewisses Faible für japanische Handwerkskunst kann ich nicht abstreiten. Ich finde diese Dinge nicht nur von ihrem Prinzip her faszinierend, sondern vor allem begeistert mich die Zeitlosigkeit, Eleganz und eine gewisse Einfachheit. Diese wirken jedoch nur äußerlich so, denn diese Werke benötigen doch einiges an Übung und Wissen. Ich bin auch immer wieder überrascht, welche für mich neuen Dinge es gibt, die langsam aus Japan zu mir tröpfeln und in die ich mich schockverliebe. Kulinarisch wäre dies Ramen. Auch wenn ich mich jedes Mal frage, wer auf die Idee kommt, gelockte „Spaghetti“ mit Stäbchen aus einer Suppe zu „löffeln“, stelle ich mich der Herausforderung und lerne, warum ein „Lätzchen“ prinzipiell auch für Erwachsene Sinn machen würde. Würde! Ich bevorzuge es nämlich, mich über die Spritzer auf meinem Pullover zu ärgern. 😉
Aber ich schweife ab, hier soll es um Furoshiki gehen.
Furoshiki: Nein, das ist kein Berg in Japan, sondern dabei geht es um die Kunst des Verpackens mit Tüchern. Vorweg: Dies ist vermutlich das bislang einfachste Handwerk, das ich aus Japan kennengelernt habe. Ein quadratisches Tuch, kombiniert mit ein bissl Fingerfertigkeit sowie ein wenig Übung, und man hat eine Verpackung mit WOW-Faktor. Kennengelernt habe ich Furoshiki schon vor einigen Jahren im KUNST & WERK in St. Veit (Furoshiki gibt es aktuell dort nicht mehr). Auch wenn meine ersten Versuche so „na ja“-Ergebnisse lieferten, überzeugte mich die Philosophie dahinter sofort. Als jemand, der bei jeder Gelegenheit versucht, nachhaltig und umweltfreundlich zu sein, aber auch den Anspruch hat, dass es unkompliziert und alltagstauglich sein muss, ließen mich diese Tücher nicht mehr los. Kleiner Spoiler: Es hilft ungemein, die ersten Versuche unter Anleitung zu machen. Das kürzt die Lernkurve deutlich ab.
Wer mich kennt, weiß: Wenn ich von einer Sache überzeugt bin, bleibe ich dran. So kamen unter dem Weihnachtsbaum anfangs improvisierte Tücher (allerdings nie Geschirrtücher. Das ist nett für junge Leute, die einen eigenen Haushalt gründen, für mich aber der Inbegriff von Sisyphus-Haushaltsarbeit, also nichts, was ich gerne rund um ein Geschenk gewickelt haben möchte) und immer weniger Papier. Damit auch weniger Tixo, weniger Polyesterbänder, einfach weniger Abfall. Das war schon ein gutes Gefühl, wenn ich in die zu dieser Zeit ohnehin komplett überfüllte Papiertonne selbst nichts mehr hineinpressen musste. Zusammenlegen und ab in die Lade, in der zuvor das Geschenkpapier war. Anfangs mussten sich die Tücher noch mit einigen Restrollen den Platz teilen, in der Zwischenzeit haben sie den Platz fast alleine. Ich habe seit Langem kein Geschenkpapier mehr gekauft.

Doch mit der Zeit wuchs auch der Anspruch, denn letztendlich bin ich als Künstlerin und Kunsthandwerkerin auch eine Freundin des Schönen und Hochwertigen, und das waren meine Stoffreste eher nicht. Zudem waren auch die wenigsten Tücher, die ich hatte, quadratisch, was das Erlernen der Bindekunst nicht gerade einfacher machte. Ja, und dann trat Karin mit ihrem „Stoff&Chic“ in mein Leben. Ein Geschäft, das genau meiner Lebenseinstellung entsprach. Ein gut überlegtes Sortiment, und Karin beweist für mich wirklich Geschmack bei der Auswahl der Stoffdesigns. Überwiegend Naturfasern und viel Liebe und Begeisterung zu dem, was sie tut. Ich fürchte, es ist auch nur eine Frage der Zeit, bis ich mich selbst wieder an die Nähmaschine setze und Kleider nähe. Es ist nur der Faktor Zeit, der mich da noch aufhält.
Ich schweife schon wieder ab. Schöne Stoffe, das wär doch auch etwas für Furoshiki. Also erzählte ich Karin von der japanischen Kunst des Verpackens, von dieser alten Tradition, die moderner und zeitgemäßer gar nicht sein kann. Eine Verpackung, die immer wieder verwendet werden kann und die ein Geschenk nicht nur umhüllt, sondern diesem eine zusätzliche Note, eine Aufwertung verleiht. Vor allem aber gibt sie der oder dem Beschenkten ein deutliches Signal: Du bist es mir wert.

Ja, so ein Tuch ist nicht billig, egal ob fertig gekauft oder selbst genäht. Aber nur auf den ersten Blick. Der erste Fehler: Der Preis wird mit Billiggeschenkpapier verglichen. Das wäre, wie wenn ich billige Futter-Kunststoffseide für Furoshiki verwende. Kann man machen, macht aber keinen Spaß. Wenn man schon Äpfel mit Birnen vergleicht: Es gibt auch Papierbögen, die 10 Euro und mehr kosten. Das relativiert den Preis deutlich, abgesehen davon schmecken mir Birnen besser als Äpfel. Dass es immer wieder verwendet werden kann, macht Furoshiki im Vergleich dann doch um einiges günstiger als Papierverpackungen, deren Wiederverwendungszyklus doch eher kurz ist. Zumal man es auch, im Gegensatz zu den Tüchern, sieht.

Meine ganz persönliche Vorstellung zu Furoshiki wäre, dass die Tücher immer wieder verwendet werden, innerhalb der Familie, zwischen Freunden und Bekannten bei vielen Anlässen, und die Tücher somit zu „rotieren“ beginnen. Also immer wieder weiter verwendet werden, mit den Geschenken die Besitzer wechseln und vielleicht wieder einmal zu mir zurückkommen als liebevoll gewählte Verpackung für ein noch liebevoller ausgesuchtes Geschenk. Natürlich können die Tücher auch noch ganz andere Aufgaben bzw. Verwendungszwecke zwischen den Verpackungsaufträgen erfüllen, vor allem dann, wenn es hochwertige Materialien sind: Halstuch, Haarband, Tasche (ist auch noch Furoshiki), Deko und vieles mehr. Für mich haben diese Tücher mit Wertigkeit und auch Achtsamkeit zu tun, und diese beiden Aspekte geben auch kleinen Geschenken, Aufmerksamkeiten oder Gutscheinen mehr Bedeutung. Ein in ein Tuch verpacktes Geschenk wird nie lieblos wirken oder ruckzuck nebenbei gekauft sein, sondern assoziiert für mich immer auch Wertschätzung.
Eine kleine Erfahrungsgeschichte: Ein guter Freund hat knapp vor Weihnachten Geburtstag. Wir schenken uns meistens nur Aufmerksamkeiten (letztendlich hat jede und jeder alles) und gerne auch Dinge, die sich aufbrauchen. Ich entschied mich für kulinarische Spezialitäten, die Spaß machen, die man sich aber nicht unbedingt selbst kauft. Das Ganze verpackte ich in ein herrlich weich fallendes Furoshiki-Tuch mit floralem Muster in Schwarz-Weiß (aus einer Linie, die Karin extra für unsere Ausstellung „edelSCHWARZ“ im „edelRAUM“ für die Lange Nacht der Museen gefertigt hatte). Mein Freund kannte Furoshiki bereits (von mir, von wem sonst?) und freute sich. Als ich mich nach dem netten Geburtstagsabend verabschiedete, bat er mich noch kurz zu warten und holte schnell das Tuch. Ich winkte sofort ab und sagte, das Tuch sei Teil des Geschenks. Er freute sich richtig.
Ja, auch das ist möglich und bei Geschenkkörben schon lange übliche Praxis. Man kann bitten, dass das Tuch oder die Tücher nach dem Auspacken wieder zurückgegeben werden, damit man sie selbst immer wieder als Geschenksverpackung verwenden kann. Hauptsache, die Tücher werden verwendet und vermeiden dadurch Abfall von Papier über Plastik (viele Geschenkpapiere sind beschichtet) bis hin zu Tixo und Syntheticbändern. Nein, die eigentliche Hauptsache ist: Furoshiki macht Spaß.
In der Zwischenzeit habe ich ein hübsches Sortiment an Tüchern, ein paar selbst genähte aber auch viele von Karin. Sehr viele von Karin (das wird meine neue sich dynamisch ändernde Briefmarkensammlung), denn ich liebe ihre wunderbaren Stoffe: ob es der einfarbige dunkelrote wunderbar fallende Baumwollsatin ist, das fast an Leinen erinnernde graue Tuch, das leider nicht mehr verfügbare Tuch mit Aquarelleffekt, die floralen Muster, …


Ich persönlich bin die Puristin. Das Tuch, ein Knoten (da gibt es wirklich viele Varianten) – that’s it. Karin gibt gerne Dinge dazu: Eine Blüte, einen Zweig, eine Klammer mit Notiz, Dekoelemente – auch hier sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt.

